autotune im rap: kann denn keiner mehr richtig singen?
Der Sound des Hiphops unterliegt einem stetigen Wandel. Neben der Entwicklung verschiedener Subgenres, ist Hiphop global betrachtet über die Jahre immer melodischer geworden. Immer mehr Artists scheinen vermehrt zu singen, statt zu Rappen. Mit Autotune soll das ja jeder können...
Doch was genau ist eigentlich Autotune? 
Hinter dem Wort Autotune verbirgt sich ein digitales Plug-in, das zur Tonhöhenkorrektur von Audiosignalen, also auch Gesangspassagen, eingesetzt wird. Die erste Software Antares Auto-Tune erschien 1997 und wurde weltweit im Vocal Processing eingesetzt, um schiefe Töne zu begradigen.
Was ist
Autotune?
Heute hält so ziemlich jede DAW (Digital Audio Workstation) ein integriertes Pitch Correction Feature bereit. Durch die Einstellung verschiedener Parameter (Bereich, Korrekturgeschwindigkeit- und intensität) lässt sich der Effekt so subtil einsetzen, dass er kaum herauszuhören ist. 
Doch was klingt dann hier so mechanisch?

autotune als
vocal-effect
Der Autotune typische Klang entsteht, wenn Tonsprünge zu groß und somit nicht mehr für die Software zu verarbeiten sind. Die hieraus entstehenden Störgeräusche (Glitches) lassen die Vocals unnatürlich klingen. Viele setzen diesen Effekt bewusst ein, um die Stimmfarbe zu manipulieren. Aus der ursprünglichen Korrektur wurde ein Vocal-Effect. Erste Anwendungen dieses Effektes gab es 1998 z.B. bei "Believe" von Cher.
Video: Cher - Believe [Official Music Video] - https://youtu.be/nZXRV4MezEw


cheer - 1998

autotune
im hiphop
Im Rapgame wurde der Effekt 2003 besonders durch T-Pain bekannt. Snoop Dogg, Kanye West und Lil Wayne experimentierten danach ebenfalls mit dem robotischen Effekt und er wurde zum neuen Stilmittel.
Foto: Derek Blanks
Video: T-Pain - I'm Sprung (Official HD Video) - https://youtu.be/rxRvDpF2FDA


T-Pain (2003)
Video: Snoop Dogg - Sensual Seduction (Official Music Video) - https://youtu.be/Y1PVmANeyAg


Snop Dogg (2007)

autotune
im hiphop
Heute ist das Plug-in fester Bestandteil des Trap-Repertoires. Rapper wie beispielsweise Quavo oder Travis Scott trieben das Ganze dann auf die Spitze und setzten einen regelrechten Effekt-Cocktail ein, in dem ein schnell arbeitendes Autotune die Hauptzutat darstellt. 

Foto: By Frank Schwichtenberg - This SVG file was uploaded with Commonist., CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=80621930
Video: Travis Scott - BUTTERFLY EFFECT - https://youtu.be/_EyZUTDAH0U


travis scott (2017)

autotune im deutschrap
Im deutschen Rapgame probierten bereits Künstler wie Samy Deluxe oder Gzuz das Stilmittel aus. Kollegah hatte den Effekt nach "Bossaura" (2011) bei seriösen Projekten zwar zunächst wieder außen vor gelassen, layerte dann aber auf seinem Album "Monument" erneut Autotune-Spuren unter seine Rap Parts.
Foto: Screenshot - https://youtu.be/tdQeUvTSpd8
Video: Gzuz - Wie weit es geht - https://youtu.be/SXUBlTGG2uo
gzuz (2009)
Video: Herr Sorge - Fröhliche Weltuntergangsmusik (Video Edit) - https://youtu.be/LQzj4nhcf4o

Samy Deluxe/Herr Sorge (2012)

autotune im deutschrap
Der Effekt lässt sich also ganz unterschiedlich einsetzen. Während Autotune in seiner klassischen Anwendung heutzutage fast bei jedem Song zu finden ist, haben einige Deutschrapper wie beispielsweise Ufo361 und Rin den Effekt zu einem Erkennungsmerkmal ihrer Klangästhetik gemacht. 

Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Apple Music
Video: RIN - Ich will dass du mich brauchst (prod. Deadcrow) - https://youtu.be/sBbjm14DFiY

Rin (2017)
Video: Ufo361 LIVE | splash! Festival 2019 - https://youtu.be/XiVsACvPvJ4

ufo361 (2019)

autotune
auf der bühne
Auch für den Live-Gebrauch werden Produkte angeboten, die eine Tonhöhenkorrektur auf der Stage ermöglichen. Dies funktioniert jedoch nicht so einwandfrei wie im Studio. Bieten sich also 3 Optionen: Voll- oder Halb-Playback – oder man kann tatsächlich singen!



autotune
auf der bühne
Doch sieht man einmal von der (stimmlichen) Melodieführung ab, geht es im Hiphop ja noch immer um einiges mehr – Technik, Lyrics und vor allem den richtigen Vibe.
Wer jetzt noch wissen möchte, wie man das Plug-in anwendet, kann es sich übrigens hier anschauen:
Hier geht's zum Video!
Redaktion: Johannes Hagen, Anna Jonetat | Webstory: Anna Jonetat
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